
Der baroÂcke AltÂmarkt um 1750 auf einem Gemälde von BerÂnardo BelÂlotto (Canaletto). Im HinÂterÂgrund rechts die KupÂpel der Frauenkirche.
Dass der AltÂmarkt der älteste und geschichtÂlich betrachÂtet auch wichÂtigste Platz der Stadt ist, sieht man ihm kaum an. Denn abgeÂseÂhen von der altÂehrÂwürÂdiÂgen KreuzÂkirÂche, die leicht zurückÂgeÂsetzt in den PlatzÂraum hinÂeinÂwirkt, finÂdet sich kein einÂziÂges Gebäude am Platz, das von der reiÂchen, jahrÂhunÂderÂteÂlanÂgen Geschichte des Ortes vor 1945 zeuÂgen könnte: Der AltÂmarkt wurde bei den LuftÂanÂgrifÂfen auf DresÂden im 2. WeltÂkrieg nahezu vollÂstänÂdig zerstört.

MarktÂtreiÂben auf dem AltÂmarkt um 1900. In der Mitte das Germania-Denkmal, das an den deutÂschen Sieg im Krieg von 1871 erinÂnerte.
Quelle: Library of Congress
Ein Bild des GrauÂens: LeiÂchenÂberge auf dem AltÂmarkt im Februar 1945.
Quelle: DeutÂsche Fotothek
Nach dem Krieg wurde der AltÂmarkt unter verÂänÂderÂten poliÂtiÂschen und stadtÂplaÂneÂriÂschen BedinÂgunÂgen wieÂder aufÂgeÂbaut. Der einst deutÂlich kleiÂnere, von pitÂtoÂresÂken Altstadt-Häusern gesäumte Platz erfuhr eine AufÂweiÂtung und UmfunkÂtioÂnieÂrung zum zenÂtraÂlen AufÂmarsch– und DemonsÂtraÂtiÂonsÂort für den Sozialismus.
Als solÂcher blieb er jedoch über JahrÂzehnte hin unvollÂenÂdet: Bis Ende der 1960er Jahre wurde der AltÂmarkt ledigÂlich im Osten und WesÂten durch die impoÂsanÂten, im Stil des „StaÂlinÂbaÂrock“ errichÂteÂten Wohn– und GeschäftsÂzeiÂlen des früÂhen DDR-Wiederaufbaus begrenzt; als „Platz“ im eigentÂliÂchen Sinne war der AltÂmarkt damit kaum erfahrÂbar. Erst 1969 erhielt der AltÂmarkt mit der VollÂenÂdung des KulÂturÂpaÂlasÂtes eine weiÂtere räumÂliÂche BegrenÂzung nach NorÂden hin; eine BebauÂung der SüdÂseite erfolgte hinÂgeÂgen erst ab Ende der 1990er Jahre.

ErrichÂtung neuer HäuÂserÂzeiÂlen am AltÂmarkt in den 1950er JahÂren. Quelle: DeutÂsche Fotothek
AltÂmarkt mit KreuzÂkirÂche, WasÂserÂspieÂlen und dem 2010 ferÂtigÂgeÂstellÂten Hotelneubau.
NachÂdem 2010 die letzte BrachÂfläÂche an der SüdÂseite mit einem HotelÂneuÂbau geschlosÂsen wurde, präÂsenÂtiert sich der AltÂmarkt heute wieÂder als geschlosÂseÂner, aber weitÂgeÂhend schmuckÂloÂser Platz, der vor allem seiÂner FunkÂtion als fleÂxiÂbler VerÂanÂstalÂtungsÂort gerecht werÂden soll; jährÂliÂcher HöheÂpunkt im VerÂanÂstalÂtungsÂkaÂlenÂder ist der StrieÂzelÂmarkt, der 2009 seine 575. EröffÂnung feiÂerte und damit zu den ältesÂten WeihÂnachtsÂmärkÂten DeutschÂlands gehört.
Die wechÂselÂvolle Geschichte des AltÂmarkts wird bei genaueÂrem HinÂseÂhen durch die PflasÂteÂrung des PlatÂzes verÂdeutÂlicht: Bei der NeuÂgeÂstalÂtung des PlatÂzes 2007–2008 wurde derÂjeÂnige Teil des AltÂmarkts, auf dem im Februar 1945 unzähÂlige namenÂlose Opfer der LuftÂanÂgriffe verÂbrannt wurÂden, erhalÂten und in das neue PflasÂter inteÂgriert; das hisÂtoÂriÂsche, sternÂförÂmig gesetzte MateÂrial hebt sich deutÂlich von den neuen SteiÂnen ab.
Auch der eheÂmaÂlige StandÂort des mitÂtelÂalÂterÂliÂchen RatÂhauÂses, desÂsen ÜberÂreste bei den zuvor durchÂgeÂführÂten, archäoÂloÂgiÂschen GraÂbunÂgen freiÂgeÂlegt wurÂden, kann nun anhand der PflasÂteÂrung abgeÂleÂsen werden.
Die im »StaÂlinÂbaÂrock« der früÂhen NachÂkriegsÂjahre errichÂtete WestÂseite des AltÂmarkÂtes. In der Mitte das Entree zum EinÂkaufsÂzenÂtrum »Altmarkt-Galerie«.
Neben dem hisÂtoÂriÂschen KopfÂsteinÂpflasÂter erinÂnert auch eine eher unaufÂfälÂlige Inschrift auf einem SandÂsteinÂsoÂckel an die GeschehÂnisse im Februar 1945. HinÂgeÂgen erbrachÂten DisÂkusÂsioÂnen über die AufÂstelÂlung eines zenÂtraÂlen DenkÂmals für die Opfer des BomÂbenÂkriegs am AltÂmarkt bisÂlang keiÂnen Konsens.



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