
Das PanÂorama des NeuÂmarkts 2010. Quelle: cityÂscope GmbH Berlin
Am NeuÂmarkt, in unmitÂtelÂbaÂrer UmgeÂbung der wieÂder aufÂgeÂbauÂten DresdÂner FrauÂenÂkirÂche, vollÂzieht sich seit 2004 eines der größÂten und ambiÂtioÂnierÂtesÂten städÂteÂbauÂliÂchen ExpeÂriÂmente der jünÂgeÂren deutÂschen Geschichte. Auf 45 Hektar BrachÂland, aufÂgeÂteilt in 8 BauÂquarÂtiere in besÂter innerÂstädÂtiÂscher Lage, wagt DresÂden rund 60 Jahre nach seiÂner traÂgiÂschen ZerÂstöÂrung einen städÂteÂbauÂliÂchen NeuÂanÂfang — gleichÂsam eine OpeÂraÂtion am offeÂnen HerÂzen, und in seiÂner BedeuÂtung und StrahlÂkraft durchÂaus verÂgleichÂbar mit MegaÂproÂjekÂten wie dem PotsÂdaÂmer Platz in BerÂlin oder der HafenÂCity in Hamburg.
Der NeuÂmarkt in engeÂrem Sinne bezeichÂnet den Platz rund um die wieÂder aufÂgeÂbaute DresdÂner FrauÂenÂkirÂche: Hier, am einsÂtiÂgen MitÂtelÂpunkt der Stadt, flieÂßen drei kleiÂnere Plätze zusamÂmen und forÂmen eine große, unreÂgelÂmäÂßige PlatzÂanÂlage; es sind dies der NeuÂmarkt selbst, der vor dem JohanÂneum (VerÂkehrsÂmuÂseum) geleÂgene JüdenÂhof sowie An der FrauÂenÂkirÂche.

LuftÂaufÂnahme des NeuÂmarktÂgeÂbiets vor 1945. Quelle: BildÂarÂchiv Foto Marburg
Im weiÂteÂren Sinne umfasst das NeuÂmarktÂgeÂbiet den gesamÂten innersÂten, die FrauÂenÂkirÂche umgeÂbenÂden AltÂstadtÂkern zwiÂschen dem ResiÂdenzÂschloss im WesÂten, dem KurÂlänÂder Palais im Osten, der BrühlÂschen TerÂrasse im NorÂden und der WilsdÂrufÂfer Straße im Süden. Mit seiÂnen zahlÂreiÂchen baroÂcken BürÂgerÂhäuÂsern, den prunkÂvolÂlen AdelsÂpaÂlais und der weltÂbeÂrühmÂten steiÂnerÂnen KupÂpel der FrauÂenÂkirÂche gehörte der NeuÂmarkt vor 1945 zu den archiÂtekÂtoÂniÂschen und städÂteÂbauÂliÂchen HöheÂpunkÂten Dresdens.
Dass dieÂses geschichtÂlich so bedeutÂsame, über JahrÂhunÂderte gewachÂsene Areal von den rigoÂroÂsen BrüÂchen des soziaÂlisÂtiÂschen StadtÂumÂbaus weitÂgeÂhend verÂschont blieb, darf als GlücksÂfall der jünÂgeÂren Geschichte DresÂdens gewerÂtet werÂden: Ein GroßÂteil des NeuÂmarktÂgeÂbieÂtes blieb bis zur poliÂtiÂschen Wende 1990 BrachÂland; ledigÂlich im Süden wurÂden durch den KulÂturÂpaÂlast und die WohnÂzeiÂlen der WilsdÂrufÂfer Straße städÂteÂbauÂliÂche TatÂsaÂchen geschafÂfen, die dem hisÂtoÂriÂschen StadtÂgrundÂriss entÂgeÂgen stanÂden und heute kaum mehr rückÂgänÂgig gemacht werÂden dürfÂten. Ein in den früÂhen 1980er JahÂren in PlatÂtenÂbauÂweise errichÂteÂter Anbau an das grünÂderÂzeitÂliÂche PoliÂzeiÂpräÂsiÂdium ist hinÂgeÂgen wieÂder abgeÂrisÂsen worden.

Der zerÂstörte NeuÂmarkt nach den BomÂbenÂanÂgrifÂfen von 1945. Quelle: BunÂdesÂarÂchiv
Dabei war der WieÂderÂaufÂbau der FrauÂenÂkirÂche und ihres Umfelds nach dem Kriege zunächst fesÂter BestandÂteil städÂtiÂscher PlaÂnunÂgen geweÂsen; aus ideoÂloÂgiÂschen und wirtÂschaftÂliÂchen GrünÂden rückte er jedoch mit den JahÂren in immer weiÂtere Ferne. Die Ruine blieb als monuÂmenÂtaÂles MahnÂmal erhalÂten, und der Fokus des staatÂlich gelenkÂten AufÂbauÂproÂgramms konÂzenÂtrierte sich auf andere BereiÂche des kulÂturÂhisÂtoÂriÂschen Zentrums.
Zwar wurÂden auch im Umfeld der FrauÂenÂkirÂche die ausÂgeÂbrannÂten RuiÂnen der 1945 zerÂstörÂten BürÂgerÂhäuÂser komÂproÂmissÂlos abgeÂräumt; in den mit TrümÂmerÂschutt verÂfüllÂten KelÂlern schlumÂmerte jedoch das steiÂnerne GedächtÂnis der Stadt über fünf JahrÂzehnte weiÂter und bot ab 1990 die MögÂlichÂkeit, unmitÂtelÂbar an das verÂloÂrene bauÂliÂche Erbe der Stadt anzuknüpfen.

Der entÂtrümÂmerte NeuÂmarkt in den 1950er JahÂren. Quelle: BildÂarÂchiv Foto Marburg
Kurz vor der Wende wurde eine letzte, deutÂlich senÂsiÂblere BauÂmaßÂnahme der DDR am NeuÂmarkt abgeÂschlosÂsen: 1989 öffnete der „DresdÂner Hof“ auf der TöpÂferÂstraße seine PforÂten, das heuÂtige Hotel Hilton.
Die unter BerückÂsichÂtiÂgung des alten StraÂßenÂverÂlaufs errichÂteÂten Gebäude präÂsenÂtierÂten sich im Gewand der PostÂmoÂderne und stellÂten erstÂmals Bezüge zu traÂdiÂtioÂnelÂlen BauÂforÂmen her. Die ZusamÂmenÂleÂgung vieÂler kleiÂner GrundÂstüÂcke zu einem einÂziÂgen GroßÂblock stand jedoch weiÂterÂhin im WiderÂspruch zur KleinÂteiÂligÂkeit des alten Platzes.
Mit dem DresdÂner Hof entÂstand die heute von zahlÂreiÂchen KneiÂpen und RestauÂrants gesäumte MünzÂgasse neu, und die BrühlÂsche TerÂrasse erhielt einen Abschluss nach Süden — ein zagÂhafÂter Schritt in RichÂtung WieÂderÂbeÂleÂbung des öden PlatÂzes. Der großÂfläÂchige WieÂderÂaufÂbau des NeuÂmarktÂgeÂbieÂtes sollte zu dieÂsem ZeitÂpunkt allerÂdings weiÂtere 15 Jahre auf sich warÂten lassen.
Den zweiÂten und dritÂten Teil dieÂses ArtiÂkels finÂden Sie hier:
Der NeuÂmarkt (II): Die KonÂtroÂverse
Der NeuÂmarkt (III): Die Projekte



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