Der Kulturpalast

Die zum Alt­markt zei­gende Süd­seite des Kul­tur­pa­lasts. Bild­nach­weis: gmp Architekten

Für die einen ist er ein abwei­sen­der, gro­ber „Klotz“ — ver­ach­tens­wer­tes Sinn­bild des geschei­ter­ten Ver­suchs, Dres­den zu einer „sozia­lis­ti­schen Stadt“ umzu­bauen. Für die ande­ren ist er ein wich­ti­ges, erhal­tens­wür­di­ges Bau­denk­mal, das zur Zeit sei­ner Erbau­ung archi­tek­to­ni­sche Maß­stäbe setzte und zudem über viele Jahr­zehnte das Musik– und Kul­tur­le­bens Dres­dens prägte.

Der Kul­tur­pa­last im Mai 2006; in der Glas­fas­sade spie­gelt sich die Bebau­ung des Altmarkts.

Der Kul­tur­pa­last, zu DDR-Zeiten auch als „Haus der sozia­lis­ti­schen Kul­tur“ bekannt, wurde 1962 bis 1969 nach Plä­nen von Leo­pold Wiel und Wolf­gang Hänsch auf der Nord­seite des Alt­mark­tes errich­tet. Wo bis 1945 ein dich­tes Gewirr von Gas­sen die Dresd­ner Alt­stadt geprägt hatte, ent­stand ein im inter­na­tio­na­len Stil gehal­te­nes, moder­nes Gebäude, das den neuen kul­tu­rel­len Mit­tel­punkt der Stadt mar­kie­ren sollte.

Aktu­elle Ansicht des Kul­tur­pa­lasts vom Turm der Kreuz­kir­che aus. Bild­nach­weis: Wiki­me­dia Commons

Der Alt­markt mit dem neu erbau­ten Kul­tur­pa­last bei Nacht (1969).
Bild­nach­weis: Bild­ar­chiv Foto Marburg

Dem Bau waren jah­re­lange Pla­nun­gen mit unter­schied­lichs­ten Kon­zep­ten vor­aus­ge­gan­gen; zeit­weise war die Errich­tung eines Kul­tur­hoch­hau­ses nach Vor­bil­dern ent­spre­chen­der Gebäude in Mos­kau und War­schau geplant — Pläne, die mit Blick auf die Sen­si­bi­li­tät der his­to­ri­schen Stadt­sil­hou­ette Dres­dens glück­li­cher­weise nicht ver­wirk­licht wurden.

Trotz sei­ner maß­vol­len Höhe han­delt es sich bei dem Kul­tur­pa­last um einen klas­si­schen Soli­tär. Er ord­net sich nicht in den Kon­text der beste­hen­den (oder ehe­ma­li­gen) Bebau­ung ein, son­dern domi­niert diese: Der his­to­ri­sche Stadt­grund­riss wurde bei der Pla­nung — dem Geist der Zeit ent­spre­chend — bewusst verneint.

Der Große Saal (1970). Bild­nach­weis: Bild­ar­chiv Foto Marburg

Zu den Beson­der­hei­ten des Baus gehö­ren die lang­ge­streckte Glas­fas­sade zum Alt­markt, die mar­kante, sechs­eckige Kup­fer­be­da­chung des Gro­ßen Saals sowie das zur Schloß­straße gele­gene monu­men­tale Wand­bild „Der Weg der Roten Fahne“.

Mit mehr als 2.400 — bei sei­ner Eröff­nung sogar 2.740 — Sitz­plät­zen besitzt der Kul­tur­pa­last den größ­ten Mehr­zweck­saal in den neuen Bundesländern.

Das »Haus der sozia­lis­ti­schen Kul­tur« vom Café Alt­markt aus gese­hen (1969).
Bild­nach­weis: Bild­ar­chiv Foto Marburg

Ein varia­bles Raum­kon­zept ermög­licht die fle­xi­ble Nut­zung als Plenar-, Kon­zert– und Ball­saal. So kommt es, dass der Kul­tur­pa­last nicht nur Stamm­haus der Dresd­ner Phil­har­mo­nie ist, son­dern auch für Tanz– und Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen sowie Tagun­gen und Kon­gresse genutzt wird.

Mit den Bemü­hun­gen ab 1990, die lücken­hafte Bebau­ung des Dresd­ner Stadt­zen­trums schritt­weise zu ver­dich­ten, stellte sich auch die Frage nach dem wei­te­ren Umgang mit dem Kulturpalast.

Aus­schnitt aus dem monu­men­ta­len Wand­bild »Der Weg der Roten Fahne«. Bild­nach­weis: Bild­ar­chiv Foto Marburg

Visua­li­sie­rung des nach den Plä­nen von Hans Koll­hoff umge­bau­ten Kulturpalasts.

Gelei­tet von der Vision, den über­di­men­sio­nier­ten Alt­markt zu ver­klei­nern und die Schloß­straße auf ihre his­to­ri­sche Breite zurück zu füh­ren, legte die Sach­sen­bau Chem­nitz GmbH 2003 ein Kon­zept vor, dass eine kom­plette Umbau­ung des Kul­tur­pa­lasts vor­sah. Der mar­kante Bau sollte in einem neuen, von Kri­ti­kern als über­di­men­sio­niert ver­wor­fe­nen Kom­plex auf­ge­hen, der neben dem Kon­zert­saal auch Büro­ein­hei­ten, ein Hotel und eine Ein­kaufs­pas­sage auf­neh­men würde.

Der Plan sah fer­ner vor, die his­to­ri­schen Fas­sa­den zur Schloß­straße und zur Gale­rie­straße hin zu rekon­stru­ie­ren; die Schau­seite zum Alt­markt sollte his­to­ri­sie­rend gestal­tet und mit Arka­den ver­se­hen wer­den, um einen Bezug zur Altmarkt-Bebauung aus den fünf­zi­ger Jah­ren herzustellen.

Das Pro­jekt sah die Anbin­dung des Kul­tur­pa­lasts an eine von einer Glas­kup­pel bekrönte Ein­kaufs­pas­sage vor.

Die Pläne zur Umbau­ung des Kul­tur­pa­lasts lös­ten erheb­li­che Pro­teste aus und führ­ten zur Grün­dung der Initia­tive „Kul­tur­pa­last erhal­ten“, die sich fortan — mit beträcht­li­chem Erfolg — für den Erhalt des Gebäu­des einsetzte.

Der Archi­tekt Die­ter Schöl­zel for­mu­lierte dazu bei einem Vor­trag in der Säch­si­schen Aka­de­mie der Künste:

„Es ist unan­nehm­bar, dass die künf­tige Dresd­ner Phil­har­mo­nie hin­ter Hotel– und Kauf­haus­fas­sa­den ver­schwin­den und als bedeu­ten­des Kul­tur­in­sti­tut kei­ner­lei städ­te­bau­li­che Reprä­sen­tanz mehr besit­zen soll. Zuguns­ten der Inter­es­sen des Pri­vat­in­ves­tors, mög­lichst viele Han­dels­flä­chen zu bekom­men, wird das Gebäude des Kul­tur­pa­las­tes beschnit­ten und ver­baut, so dass es als Orga­nis­mus nicht mehr funktioniert.“

Ver­wor­fene Umbau­pla­nung für den Kul­tur­pa­last der Sach­sen­bau Chem­nitz: oben die West­seite (Schloß­straße), unten die zum Neu­markt gerich­tete Gale­rie­straße. Bild­nach­weis für alle Gra­fi­ken zu die­sem Pro­jekt: Sach­sen­bau Chem­nitz GmbH

Nach lan­gem Rin­gen ent­schied der Stadt­rat im Novem­ber 2004, das Pro­jekt der Sach­sen­bau abzu­leh­nen und eine klei­nere Vari­ante zu wäh­len, die Erhalt und Sanie­rung des beste­hen­den Gebäu­des vor­sah. Nach zwi­schen­zeit­li­cher, fünf­mo­na­ti­ger Schlie­ßung des Gebäu­des auf­grund von gra­vie­ren­den Män­geln im Bereich des Brand­schut­zes wurde der Kul­tur­pa­last 2008 schließ­lich auch unter Denk­mal­schutz gestellt.

Teil­sa­nier­ter Kul­tur­pa­last mit sozia­lis­ti­schem Wand­bild. Bild­nach­weis: Wiki­me­dia Commons

Mit dem Ziel, den Kul­tur­pa­last in sei­ner äuße­ren Gestalt zu belas­sen, im Inne­ren jedoch einen neuen Kon­zert­saal als Spiel­stätte für die Dresd­ner Phil­har­mo­nie zu bauen, lobte die Lan­des­haupt­stadt Dres­den im Novem­ber 2008 einen Wett­be­werb aus:

„Die Lan­des­haupt­stadt Dres­den beab­sich­tigt den beste­hen­den Kul­tur­pa­last im Kon­text sei­ner prä­gnan­ten Umge­bung instand­zu­set­zen, zu moder­ni­sie­ren und im Sinne der Erhal­tung als Gemein­be­darfs­ein­rich­tung zukunfts­ori­en­tiert und in einer hohen Qua­li­tät umzu­bauen. Als baulich-kultureller Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt im Her­zen der Dresd­ner Innen­stadt wird die­ses Hoch­bau­pro­jekt wich­tige Akzente für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit einer attrak­ti­ven, leben­di­gen und Iden­ti­tät stif­ten­den Stadt­mitte setzen. […]

Anlass und Ziel sind zum einen die Instand­set­zung und Moder­ni­sie­rung alters­be­ding­ter Defi­zite der Bau­sub­stanz, ins­be­son­dere des vor­beu­gen­den bau­li­chen und tech­ni­schen Brand­schut­zes. Zum ande­ren erhal­ten mit der Dresd­ner Phil­har­mo­nie und den Städ­ti­schen Biblio­the­ken zwei bedeu­tende kul­tu­relle Insti­tu­tio­nen, die maß­geb­lich zum Selbst­ver­ständ­nis Dres­dens und zur kul­tu­rel­len Bil­dung in der Stadt bei­tra­gen, eine ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit ent­spre­chende Platt­form. Herz­stück des Pro­jek­tes ist ein als „inne­rer Neu­bau“ zu kon­zi­pie­ren­der Kon­zert­saal der Phil­har­mo­nie Dres­den. Der bes­ten raum­akus­ti­schen Aus­le­gung der Saal­geo­me­trie im Ver­gleich zu den füh­ren­den inter­na­tio­na­len Kon­zert­sä­len kommt die höchste Prio­ri­tät zu.“

Die­ser Wett­be­werb wurde im Juni 2009 zuguns­ten des Ham­bur­ger Archi­tek­tur­bü­ros Ger­kan, Marg & Part­ner ent­schie­den; die Rea­li­sie­rung des sieg­rei­chen Ent­wurfs soll ab 2012 erfolgen.

Aus dem Wett­be­werb zum Umbau des Kul­tur­pa­lasts ging das Archi­tek­tur­büro Ger­kan, Marg & Part­ner als Sie­ger her­vor. Die Visua­li­sie­rung zeigt die künf­tige Phil­har­mo­nie. Bild­nach­weis: gmp Architekten

Ob die Umbau­pläne tat­säch­lich umge­setzt wer­den, ist jedoch wei­ter unge­wiss, da der Schöp­fer des Gebäu­des, Wolf­gang Hänsch, im Novem­ber 2010 Klage gegen das Pro­jekt ein­ge­reicht hat und dabei auf die Ver­let­zung sei­nes Urhe­ber­rechts ver­weist. In der Begrün­dung der Klage heißt es u.a.:

„Der geplante Umbau würde die geis­tige Sub­stanz des Wer­kes besei­ti­gen, da das Gebäude nicht mehr als ein­heit­li­ches Bau­werk ‚aus einem Guss‘ erhal­ten bliebe. Das übrige Gebäude wäre zwar nach außen noch als gestal­te­ri­sche Leis­tung und als Wahr­zei­chen der Nach­kriegs­mo­derne erkenn­bar, ver­löre jedoch ohne den Mehr­zweck­saal voll­stän­dig sei­nen gestal­te­ri­schen Zusammenhang.“

Die Geneh­mi­gung für den Betrieb des Kul­tur­pa­lasts läuft 2011 aus.

Alt­markt und Kul­tur­pa­last in den sieb­zi­ger Jah­ren. Bild­nach­weis: Bild­ar­chiv Foto Marburg

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