Neumarkt: Am Quartier III fallen die ersten Gerüste
Am Neumarkt-Quartier III – dem “Juwel an der Frauenkirche” der Baywobau – sind die ersten Gerüste gefallen. Die Enthüllung der Fassaden war in diesem Falle mit besonderer Spannung zu erwarten gewesen, denn bei keinem anderen der bislang am Neumarkt realisierten Bauprojekte war ein derart heterogenes Fassadenbild gewagt worden: Während sich das Quartier I ( “QF” ) zum Neumarkt hin konsequent historisch und zur Töpferstraße hin konsequent modern zeigt und bei den beiden anderen fertiggestellten Quartieren II und IV die historische Formensprache klar dominiert, wechseln sich beim Quartier III historische und moderne Formen in rascher Folge ab.
Die nun teilweise bis ganz enthüllten Fassaden geben Anlass zur Hoffnung, dass das städtebauliche Experiment gelingt und sich am Neumarkt historische und moderne Fassaden – aller Unkenrufe zum Trotz – zu einem harmonischen, faszinierenden Platzbild zusammenfügen werden.

Oben: Das Quartier III vom Kulturpalast her gesehen, rechts die Einmündung der Landhausstraße.

Oben: Ein dankbares Motiv für künftige Postkartenserien: Hinter der reich verzierten Fassade des Hauses Neumarkt 4 erhebt sich die imposante Kuppel der Frauenkirche.
Unten: Die rekonstruierte Fassade des Hauses An der Frauenkirche 20.

Unten: Das in traditionellen Formen, aber ohne historisches Vorbild frei entworfene Haus An der Frauenkirche 19, rechts davon An der Frauenkirche 20 mit aufwändig rekonstruierter Fassade.

Unten: Die während des Baus aufgespannte Gerüstplane hatte wenig Gutes verheißen; das nun enthüllte Gebäude (An der Frauenkirche 18) weist durchaus gestalterische Qualitäten auf und wird sich weit besser in das Ensemble einfügen, als aufgrund der Computersimulationen zu erwarten war.


Unten: An der Frauenkirche 18-20 vom Ausgang der Frauenkirche aus gesehen.

Unten: Blick vorbei an den geschwungenen Fassaden der Häuser An der Frauenkirche 18-20 mit Blick zum noch im Rohbau befindlichen Schütz- und Köhlerschen Haus.

Unten: Sicherlich nicht innovativ gestaltet, dafür unaufdringlich sich in die Abfolge der einzelnen Häuser einfügend – so zeigt sich die Landhausstraße 1 nach der Enthüllung.


Oben & unten: Auch am Kurländer Palais geht es in großen Schritten voran. Der ruinöse Zustand gehört endgültig der Vergangenheit an.

Unten: Der nahezu vollendete Rohbau der “Heinrich-Schütz-Residenz”, vorne das Köhlersche Haus.
March 11th, 2008 20:48
Laut Webseite des Neumarkt Vereins sind die Planen durch den Sturm letzte Woche abgerissen worden. Die offizielle Enthüllung sollte sicherlich erst in ein paar Wochen stattfinden.
March 12th, 2008 17:27
Also, ich finde bei allen kleinen Mängeln im Detail die aktuelle Entwicklung am Neumarkt sehr erfreulich. Jetzt muß nur noch das Gewandhaus endgültig verhindert werden, dann wird der Neumarkt tatsächlich zu einem Erfolg!
March 12th, 2008 22:30
Als ich die Fotos hier auf Thomas’s Website sah, hörte ich, als meine erste Reaktion, mich selber leise den Satz hauchen
“Mein Gott, was schöne Häuser…..!”
Es ist einfach traumhaft zu sehen, wie dieses entscheidende Stück der Dresdner Altstadt aus dem Nichts wiederaufersteht….ich denke oft: unglaublich, und: welch ein Glück! Erinnert Ihr Euch, wie der Neumarkt noch vor wenigen Jahren aussah? Gähnende Leere, und nun kommt plötzlich eine ganze Stadt zurück, so scheint mir! Ganze Straßenzüge entstehen wieder, ganze Plätze. Ich finde es eine unglaubliche Freude, dass wir das Schlimmste verhindern konnten. Denkt aber dran, das haben wir alleine den Leuten zu verdanken, die sich unentgeltlich mit enorm viel Kraft und Aufwand hierfür einsetzten. Ich wage gar nicht daran zu denken, was hierhin gesetzt worden wäre ohne die GHND. Ich kann mir zwar nicht erklären, warum die Stadtplaner genau das Gegenteil tuen von dem was sinnvoll, menschengerecht uznd notwendig wäre, aber Tatsache ist, wenn die Menschen in Dresden den Politikern nicht permanent auf die Finger hauen würden, würden heute weder Neumarkt noch Frauenkirche stehen. Ich weiss, es klingt gewagt, aber häufig denke ich: Alleine dieses phantastisch schöne Ensemble, Neumarkt und Frauenkirche, entschädigt mich (fast) für all die Scheusslichkeiten der Johannstadt, Petersburger Strasse, Freiberger Strasse und so weiter. So eine schöne Altstadt hat fast keine Grosstadt die ich kenne!
Und nun nach all meinem überschwenglichen und emotionalen Lob, muss ich aber auch Kritik üben, diese ganz sachlich und nüchtern:
1.
Bei Dietze bin ich gespalten. Einerseits ist es traurig, dass er als einziger Investore unsachgemäß rekonstruierte, mit Betonplatten dahinter. Damit schadet er der Rekonstruktionsidee und giesst Wasser auf die Mühlen der Gegner, die nun alle wieder ihr “Disneyland” schreien. Ich stelle mir die Frage, ob es nun Rekonstruktionen sind oder nicht.
Andererseits muss man sagen, fast alle Häuser sind gut geworden. Und wenn ich darüber nachdenke, gefallen mir die “unehrlchen” Rekonstruktionen (Betonbauten mit “falscher” Fassade) besser als die angeblich “ehrlichen” Bauten wie Cosel-Anbau etc.
Einfach unglaublich schön ist die Nummer 20, ein dermassen schönes Haus! Diese sanfte, milde Ornamentik, diese Schönheit, so viel wunderbarer Stil und Kultur - sorry, liebe modernen Architekten, aber an die Meisterwerke Eurer Vorgänger kommt ihr einfach nicht heran! Selbst Baudirektor Burger gab das zu, dass beim Bau der Frauenkirche all das neu erlernt werden musste, was für die Baumeister vor 200 jahren “Alltagsgeschäft” war. Die Seite zur Landhausstrasse hin sieht perfekt aus, hier kann ich nichts bemängeln. Dem Neubau, wo früher die Böttcher-Fassade geplant war (und gott sei dank verhindert wurde), würde ich fast eine glatte Note 1 geben.
Thomas, du sagtest beim Neubau von Wörner Nr 22 könne man noch nicht genug sehen zum urteilen, das mag stimmen, aber ich wage mal eine Prognose: Ich sage dir, ich sehe jetzt schon, dass dieses Gebäude nicht nur “aktzepabel” wird, sondern sehr gut. Es ist eines von den Gebäuden, die beweisen, dass sich moderne Gebäude auch in die historische Architektur integrieren kann (wenn sie will). Ich wette mir Dir, das Gebäude wird gut. Wörner ist ein ganz seltsamer Architekt. Einiges von ihm ist an Scheusslichkeit kaum zu überbieten (von ihm stammen die beiden Glastreppendächer im Prisco-Quartier, ein extrem unangenemer Anblick), und von ihm stammt auch das weisse Haus neben der Salomonisapotheke in der Landhausstrasse - meiner Meinung nach eines der besten am Neumarkt. Wie er so von einem Extrem ins andere fallen kann, ist mir unverständlich: Wörner scheint Himmel und Hölle gleichzeitig zu sein. Ich wünsche mir mehr Himmel von ihm.
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Mit Haus AdF 18 hab ich Probleme. Ich sehe das genau so: Der reale Bau ist noch “besser” als die Hüllen es vermuten liessen, ich dachte, oh Gott was wird da scheussliches kommen. Nun sind die Hüllen weg, es ist tatsächlich weniger scheusslich als ich befürchtete. Aber ich finde es nicht gut, und ich kann auhc genau sagen warum, es ist nur eine Kleinigkeit:
An dem Gebäude wäre eigentlich alles in Ordnung: Dach, Silhouette, Gesamtproportion, Traufhöhe zum Nachbarhaus, Materialwahl (Sandstein, wunderbar), alles in Ordnung. Schaut mal genau hin: die Fenster sind einfach viel zu gross, die Gauben sowieso, aber auch die Fenster der Fassade sind riesig. Vergleicht mal dieses Gebäude mit dem Neubau in der Landhausstrasse (das “ex-Böttcher” Haus, ich glaube von Hähnel-Furkert Architekten). Dann werdet ihr sehen: die beiden Häuser sind sich im Stil sehr ähnlich, nur dass eben in der Landhausstrasse die Fenster perfekt proportioniert sind - kleiner und schmaler, die Gauben ebenso. Das sieht viel eleganter aus und es fügt sich fantastisch ein in die historische Architektur. Leider sind Fenster und Gauben hier viel zu gross geraten,. stellt Euch das Gebäude vor mit Fenstern und Gauben wie in der Landhausstrasse - dann wär es perfekt. Ich verstehe nicht, dass ein Architekt so etwas nicht sieht. Gut - man kann damit leben. Aber es gibt eben Neubauten, die beweisen dass es auch anders geht. Wenn man will.
Zum Glaspassageneingang muss ich nicht viel sagen: Der ist zwar nun da, aber ich finde ihn störend. Mir wäre es lieber gewesen ohne. Dietze mag viel gutes gebaut haben, der beste Groß-Investor bleibt für mich dennoch nach wie vor die VVK. Und als klein-Investort ist natürlich Herr Zeibig (AdF 16 + 17) unschlagbar: Wiederaufbau ohne Fehler! Das beweist: Ein Wiederaufbau der Altstadt ohne Glaspassagen, Treppendächer oder Cheret-Häuser wäre problemlos möglich. Leider sind die meisten Investoren, und auch die Stadtplaner, offensichtlich zu inkompetent dafür. Schon sehr traurig, wie unsensibel Fessenmayr und Co. hier vorgehen.
Fazit: Ich bin trotzdem begeistert. Bei Prisco-Treppendach und Dietze-Glaseingang schaue ich eben weg - ganz einfach. Und richte den Blick auf die wunderschönen, neu erstandenenen Bürgerhäuser. Bei mir überwiegt das positive, ich sage immer wieder: So ein dermassen schöner Platz!
Liebe Freunde: Aber wir lehnen uns nicht zurück - wir kämpfen weiter, jetzt erst recht. Dass dieser wunderschöne Platz endlich hier steht, ist das Werk des zähen Ringens der Dresdner und Dresdnerinnen. Dresden blüht wieder auf - das ist ein Glück, und ich sage: weiter so!
March 13th, 2008 11:31
Ich halte die Nummer 18 für einen durchaus gelungenen Bau, auch wenn ich bei den Fensterformaten ein wenig Bauchschmerzen habe. Außerdem hätte man meiner Meinung nach die obersten Gaupen in die Mitte rücken sollen um die Symmetrie noch zu verstärken. Der Nachbar (auch Nr. 18?) ist eher nichtssagend, stört nicht, ist demnach ein guter „Füllbau“. Zur Nummer 20 braucht man meiner Meinung nach nichts zu sagen. Allerdings, habt ihr es schon gesehen, an der Mittelachse im ersten Stockwerk kann man in einer Kartusche die Jahreszahl 1765 lesen. Haben wir es nicht 2008 oder irre ich mich?!
Das Wörner-Haus gefällt mir bisher nicht so gut. Diese roten Elemente stören mich eher. Aber was hat man mit dem Eckgebäude Neumarkt 4 gemacht? Musste man unbedingt die Fassade auch auf das Nachbargrundstück doppeln? Die Rekonstruktion des Vorkriegszustandes wäre sicherlich authentischer und bestimmt auch weniger aufwendig gewesen. Ansonsten ist aber bis auf ein nicht unerhebliches Detail ein recht schönes Gebäude entstanden. Was ist das aber für ein hässlicher Kasten auf dem Dach? Man muss gar nicht weit zurücktreten um diese Kiste zu erkennen. Ist das eine Dachterrasse mit einem gläsernen Pavillon oben drauf? Nicht gut!
Zum Rest: Die Landhausstraße 1 gefällt mir überhaupt nicht. Hier gibt es wieder viel zu große Fenster und noch dazu eine kühle nichtssagende Fassade. Der Rest ist nicht schlecht.
Ansonsten scheinen die Bauten des Quartier III insgesamt eine Bereicherung für unsere Stadt darzustellen. Es ist eine spannende Mixtur aus „Fassadenrekonstruktionen“ und modernen Interpretationen entstanden, die ein lebendiges Bild erzeugen und so durchaus zum Gelingen des Neumarktes beitragen werden.